Überoutine mit Baby – die Kunst der Gunst der Stunde

Es gab eine Zeit, da hat Helene immer und überall geschlafen. Zuerst sowieso in allen Lagen, im Kinderwagen, am Boden, in der Wiese…dann, als das nicht mehr ging, zumindest in der Trage. War sie unzufrieden, aber ich musste was erledigen: zack, rein in das Ding, und schon ging alles. Sie hat geschlafen, ich war im Museum, shoppen, hab Kuchen gebacken und: geübt und geprobt! Das konnte ich zu Beginn nicht glauben, hab ich ihr doch richtig ins Ohr gesungen. Aber das schien ihr überhaupt nix auszumachen, sie schlief seelenruhig und verschlief meine Überei und Proberei.

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So schauten meine ersten Übeeinheiten aus…

…bis…ja, bis wann eigentlich? So etwas geht immer schleichend. Auf einmal wird das Baby nach einer halben Stunde unzufrieden, man übt kürzer, und dann geht’s eines Tages gar nicht mehr. Das ist ja eine richtig witzige Zeit eigentlich, die Babies werden immer interessierter, alles ist unglaublich spannend, und auch das Schlafen wird immer mehr zum Kampf, denn: man/baby könnte etwas versäumen. Furchtbar wäre das! Und zum Schlafmangel, der fehlende Motivation verursacht, kommt plötzlich ein richtiges Dilemma: wann soll ich eigentlich üben?

Mich hat der Moment, als Helene schlief, zu Beginn immer extrem gestresst. Es galt, lange to do-Listen abzuarbeiten, Mails zu beantworten, zu duschen, zu essen, und dann hört man ja auch, man solle am besten dann schlafen, wenn das eigene Baby schläft. Wenn das nur auf Kommando ginge! Und als ob man nix zu tun hätte!

Ich liste hier einige Dinge auf, die mir geholfen haben – es gibt kein allgemein gültiges Rezept, ich muss jetzt noch keinen Heldinnentaten vollbringen und daher kann ich es auch ganz entspannt angehen. Ich bin 2. Sopran in diversen Ensembles und singe hauptsächlich konzertant, manchmal auch solistisch, seit Helenes Geburt vor sechs Monaten hatte ich zehn Auftritte. Der Druck auf mir war also nicht so groß wie auf Sängerinnen, die im Engagement z.B. gleich nach dem Mutterschutz wieder einsteigen, trotzdem denke ich: vielleicht hilft ja die eine oder andere Idee!

  1. Schaut auf euch! Esst gesund, Schlaf hat immer Priorität. Nur in einem starken, gesunden Körper kann frau auch singen und physische Höchstleistungen vollbringen. Investiert in einen guten Rückbildungskurs (ich kann Cantienica sehr empfehlen), kauft Obst und Gemüse ein, das man nebenher naschen kann und nicht zubereiten muss, habt  – wenn ihr keine Veganer seid – immer Eier zuhause (wenn man keine Zeit zum Kochen hat, wird die Ernährung zwangsweise sehr kohlehydratlastig), geht viel raus, legt euch hin, wenn das Baby schläft und ihr müde seid.
  2. Übt kreativ! Ich summe und klinge oft vor mich hin, auch wenn ich mit Helene spiele. Sie findet das lustig, und sie ist es gewohnt. Im Bauch hat sie das ja auch gehört. Kurz nach der Geburt bin ich draufgekommen, dass sie Skalen und Übungen, die in Halbtonschritten rauf- und runtergehen, beruhigen. Kein Wunder, habe ich doch in meiner Schwangerschaft richtig viel unterrichtet. Wenn Helene dann schläft und ich drauf los übe, bin ich zumindest schon ein bisschen eingesungen. Außerdem packe ich mir immer die ganze Literatur, die ich zu lernen habe, in eine Spotify-Playlist (sofern gute Aufnahmen existieren) und tanze einmal am Tag dazu mit Helene durch die Wohnung. Momentan fängt sie immer, wenn sie den Beginn des ersten Chores des Weihnachtsoratoriums hört, zu strampeln und zu grinsen an. Kann also nicht so schlimm sein!

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    Helene nach ihrem ersten WO im Publikum…es hat ihr glaube ich gefallen!
  3. Auswendig lernen geht super, indem ich Helene die Texte, die ich zu singen habe, wie eine Geschichte erzähle. Sie findet’s lustig, und ich übe den Text unabhängig von der Melodie.
  4. Ich übe immer so früh am Tag wie möglich. Also während Helenes ersten Schläfchens am Vormittag, das dauert meistens mindestens eine Stunde und gibt mir genügend Zeit für mein Pensum. Dann kann ich mir zu mittag auch ein Mittagsschlaferl gönnen und während des Nachmittagsschlaf einen ruhigen Kaffee – und hab trotzdem das Gefühl, schon was gemacht zu haben.

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    Finde das Baby…wenn es im Kinderwagen gut schläft, lässt es sich natürlich leicht proben!
  5. Was sich nicht ausgeht, geht sich nicht aus. Heute zumindest. Ich schreibe das dann in mein Notizbuch/meinen Terminkalender und nehme es mir für den nächsten Tag vor. So vergesse ich es nicht, es spukt aber auch nicht ständig in meinem Kopf herum und hindert mich am Einschlafen oder sonstwie-zur-Ruhe-Kommen. To do-Listen sind ja dazu da, nach und nach abgearbeitet zu werden.
  6. Also kein Stress. Es ist sich alles immer noch irgendwie ausgegangen!

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    Auch eine mögliche Babylagerung während der Probe 😉

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